Das ist für Angehörige einer der schmerzhaftesten Momente: Ihr Mann, Ihre Frau oder Ihr Vater schaut Sie an – und erkennt Sie scheinbar nicht.
Warum kann das passieren?
1. Delir (akuter Verwirrtheitszustand)
Nach längerer Sedierung oder einem künstlichen Koma entwickeln viele Patienten ein sogenanntes Delir. Sie sind zeitlich und räumlich desorientiert, halluzinieren teilweise und erkennen selbst nahe Angehörige nicht. Das ist sehr belastend – aber häufig vorübergehend.
2. Gedächtnis- und Orientierungsstörungen
Nach Schlaganfällen, Hirnschädigungen oder langer Beatmung kann das Gedächtnis vorübergehend oder dauerhaft beeinträchtigt sein. Erinnerungen sind dann nicht zuverlässig abrufbar.
3. Sehprobleme
Manchmal liegt der Grund auch ganz banal darin, dass der Patient schlecht sieht: fehlende Brille, Sehstörungen oder neurologische Ausfälle können dazu führen, dass Gesichter nicht erkannt werden.
4. Nachwirkungen von Medikamenten
Sedierende Medikamente brauchen Zeit, bis sie vollständig abgebaut sind. In dieser Phase fühlt sich das Denken für viele Patienten „wie im Nebel" an.
Was können Sie als Angehöriger tun?
- Nehmen Sie es nicht persönlich – das Gehirn arbeitet gerade nicht normal
- Geben Sie Orientierung: „Hallo, ich bin Maria, deine Frau."
- Zeigen Sie Fotos aus dem vertrauten Umfeld
- Bleiben Sie ruhig und geduldig
Wann wird es besser?
Das ist sehr unterschiedlich. Manche Patienten erkennen ihre Angehörigen nach wenigen Tagen wieder, andere erst nach Wochen. Bei schweren neurologischen Schädigungen kann die Beeinträchtigung auch länger anhalten.
Wenn die Situation länger unverändert bleibt, ist es sinnvoll, das Ärzteteam auf neurologische Untersuchungen (z. B. CT, MRT oder EEG) anzusprechen.
📝 Kurz zusammengefasst
- Häufige Ursachen: Delir, Gedächtnisstörungen, Sehprobleme
- Auch Medikamente können eine Rolle spielen
- Nicht persönlich nehmen
- Orientierung geben und ruhig bleiben
- Oft bessert sich die Situation mit der Zeit