Paul Rawe – Fachkrankenpfleger

Intensivstation Ratgeber

von Paul Rawe

Fachkrankenpfleger für Intensiv- und Anästhesiepflege
Über 15 Jahre Berufserfahrung · Ehemalige Stationsleitung

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Wie informiere ich Familie und Freunde richtig?

Die Familie und den Freundeskreis zu informieren ist für viele Angehörige extrem belastend. Was sagt man? Wie viel sagt man? Und wann? Aus pflegerischer Sicht gibt es ein paar klare Grundsätze, die Ihnen helfen können, sich selbst und andere zu schützen.

1. Warten Sie auf verlässliche Informationen

Informieren Sie Familie und Freunde erst, nachdem Sie selbst ein Gespräch mit dem ärztlichen Team hatten. Halbwissen, Gerüchte oder Spekulationen sorgen meist für unnötige Angst und führen zu immer mehr Rückfragen.

2. Bleiben Sie sachlich

Kurze, klare Informationen sind oft ausreichend, zum Beispiel: „Papa liegt auf der Intensivstation. Er wird beatmet. Die Ärzte kümmern sich intensiv um ihn." Vermeiden Sie Prognosen oder Vermutungen.

3. Bestimmen Sie einen Hauptansprechpartner

Legen Sie fest, dass eine Person die Informationen sammelt und an andere weitergibt. So verhindern Sie, dass viele Menschen gleichzeitig bei Ihnen oder sogar auf der Station nachfragen.

4. Nutzen Sie eine Messenger-Gruppe

Eine WhatsApp- oder Signal-Gruppe kann helfen, alle gleichzeitig auf dem gleichen Stand zu halten. Wichtig: Keine Fotos vom Patienten weitergeben und keine sensiblen Details ohne Einverständnis teilen.

5. Schützen Sie sich selbst

Sie sind nicht verpflichtet, jederzeit erreichbar zu sein oder jede Frage sofort zu beantworten. Ein Satz wie „Ich melde mich, sobald ich neue Informationen habe" ist vollkommen ausreichend.

📝 Kurz zusammengefasst

  • Erst nach einem Arztgespräch informieren
  • Sachlich bleiben, keine Spekulationen
  • Einen Hauptansprechpartner festlegen
  • Messenger-Gruppe für Updates nutzen
  • Keine Fotos ohne Einverständnis
  • Eigene Grenzen wahren
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