Paul Rawe – Fachkrankenpfleger

Intensivstation Ratgeber

von Paul Rawe

Fachkrankenpfleger für Intensiv- und Anästhesiepflege
Über 15 Jahre Berufserfahrung · Ehemalige Stationsleitung

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Wo bekomme ich als Angehöriger Hilfe?

Viele Angehörige fühlen sich während der Zeit auf der Intensivstation extrem allein – selbst dann, wenn Menschen um sie herum sind. Die Situation ist ungewohnt, emotional belastend und oft von Unsicherheit geprägt.

Wichtig ist: Sie müssen diese Zeit nicht alleine durchstehen. Es gibt verschiedene Stellen, an denen Sie Unterstützung erhalten können – medizinisch, organisatorisch und emotional.

Unterstützung im Krankenhaus

Ein zentraler Ansprechpartner ist das Krankenhaus selbst. Viele Kliniken verfügen über einen Sozialdienst oder psychosoziale Beratungsangebote. Diese unterstützen unter anderem bei:

  • Anträgen (Pflegegrad, Krankengeld, Schwerbehindertenausweis)
  • Fragen zur weiteren Versorgung
  • Organisatorischen und sozialen Problemen

Zusätzlich gibt es in vielen Häusern psychologische Unterstützung oder Seelsorgeangebote – unabhängig von einer religiösen Zugehörigkeit. Diese Gespräche sind freiwillig, vertraulich und können emotional entlasten.

Hilfe aus dem persönlichen Umfeld

Viele Angehörige zögern, Freunde oder Familie um Hilfe zu bitten, weil sie niemandem zur Last fallen wollen. Aus der Praxis weiß ich: Die meisten Menschen helfen gerne – vor allem, wenn sie konkret wissen, wie.

Unterstützung kann ganz praktisch sein (Einkaufen, Kochen, Kinderbetreuung) oder einfach darin bestehen, zuzuhören.

Austausch mit anderen Betroffenen

Selbsthilfegruppen oder Online-Foren können helfen, das Gefühl von Isolation zu reduzieren. Wichtig ist dabei, auf die eigene Belastungsgrenze zu achten. Wenn Berichte anderer zusätzliche Angst auslösen, ist es vollkommen in Ordnung, Abstand zu nehmen.

Auch das Pflegepersonal ansprechen

Pflegende sind keine Therapeuten, aber sie erleben Angehörige täglich in Ausnahmesituationen. Viele hören zu, erklären Zusammenhänge oder geben Hinweise, an wen Sie sich wenden können.

Mein persönlicher Rat: Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche. Es zeigt, dass Sie Ihre eigenen Grenzen ernst nehmen – und genau das ist in dieser Situation wichtig.

📝 Kurz zusammengefasst

  • Sozialdienst im Krankenhaus unterstützt organisatorisch und emotional
  • Psychologische Gespräche oder Seelsorge können entlasten
  • Freunde und Familie dürfen konkret helfen
  • Selbsthilfegruppen können Isolation reduzieren
  • Hilfe anzunehmen ist verantwortungsvoll
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