Paul Rawe – Fachkrankenpfleger

Intensivstation Ratgeber

von Paul Rawe

Fachkrankenpfleger für Intensiv- und Anästhesiepflege
Über 17 Jahre Berufserfahrung · Ehemalige Stationsleitung

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Kann man im künstlichen Koma sterben?

Ja, das kann passieren. Aber es ist wichtig, diesen Punkt klar und ehrlich einzuordnen: Man stirbt nicht am künstlichen Koma, sondern an der zugrunde liegenden Erkrankung.

Warum wird das oft verwechselt?

Das künstliche Koma wird meist bei den schwersten Krankheitsverläufen eingesetzt: schweren Unfällen, Sepsis, Multiorganversagen oder schweren Hirnverletzungen. Diese Erkrankungen haben unabhängig vom künstlichen Koma eine hohe Sterblichkeit.

Weil das künstliche Koma zeitlich oft kurz vor dem Tod eingesetzt wird, entsteht der Eindruck, es sei die Ursache. Tatsächlich ist es jedoch ein Rettungsversuch – kein Auslöser.

Was passiert, wenn sich der Zustand nicht verbessert?

Trotz moderner Intensivmedizin kann es vorkommen, dass sich Organe nicht mehr erholen: der Kreislauf wird instabil, mehrere Organe versagen.

In solchen Situationen müssen gemeinsam mit den Angehörigen schwere Entscheidungen getroffen werden: Soll die Therapie weiterhin maximal fortgeführt werden, oder wird das Therapieziel angepasst – zum Beispiel hin zu einer palliativen Begleitung?

Ist das künstliche Koma der „letzte Schritt" vor dem Tod?

Nein. Das künstliche Koma ist keine letzte Maßnahme und auch kein Zeichen des Aufgebens. Es ist eine etablierte Standardtherapie, die täglich tausendfach weltweit angewendet wird.

Die große Mehrheit der Patienten wacht wieder auf. Dass es einzelne Verläufe gibt, in denen das nicht gelingt, liegt an der Schwere der Erkrankung – nicht am künstlichen Koma selbst.

Aus meiner persönlichen Erfahrung: In über 17 Jahren Intensivpflege habe ich sehr viele Menschen im künstlichen Koma betreut. Die meisten haben diese Phase überlebt.

📝 Kurz zusammengefasst

  • Ja, ein Tod im künstlichen Koma ist möglich
  • Die Ursache ist die Grunderkrankung – nicht das Koma
  • Koma wird bei besonders schweren Fällen eingesetzt
  • Es ist ein Rettungsversuch, kein Aufgeben
  • Die Mehrheit der Patienten wacht wieder auf
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