Die Patientenverfügung ist ein Thema, das viele Menschen erst dann beschäftigt, wenn sie plötzlich auf einer Intensivstation damit konfrontiert werden. Häufig höre ich von Angehörigen Sätze wie: „Darüber haben wir nie gesprochen" oder „Wir wussten gar nicht, dass es so etwas gibt".
Eine Patientenverfügung ist ein schriftliches Dokument, in dem ein Mensch festlegt, welche medizinischen Maßnahmen er sich wünscht oder ablehnt, falls er selbst nicht mehr entscheidungsfähig ist. Das kann zum Beispiel bei Bewusstlosigkeit, im künstlichen Koma oder bei schweren Hirnschädigungen der Fall sein.
Was wird in einer Patientenverfügung geregelt?
Typische Themen sind unter anderem:
- Beatmung
- Wiederbelebung
- künstliche Ernährung und Flüssigkeitsgabe
- lebensverlängernde Maßnahmen
Für uns auf der Intensivstation ist eine klar formulierte Patientenverfügung eine große Hilfe. Sie gibt Orientierung und schützt den Willen des Patienten. Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, eine eindeutige und auf die aktuelle Situation passende Patientenverfügung zu berücksichtigen.
Was passiert ohne Patientenverfügung?
Fehlt eine Patientenverfügung, muss der sogenannte mutmaßliche Wille ermittelt werden. In der Praxis bedeutet das intensive Gespräche mit Angehörigen:
- Wie hat der Patient früher über schwere Krankheit gesprochen?
- Gab es klare Aussagen oder Werte?
Diese Gespräche sind für Familien oft emotional sehr belastend, weil sie das Gefühl haben, über Leben und Tod entscheiden zu müssen.
Wichtig zu wissen
Eine Patientenverfügung bedeutet nicht automatisch „keine Behandlung". Sie kann genauso festlegen, dass alles medizinisch Sinnvolle getan werden soll. Es geht nicht um Verzicht, sondern um Selbstbestimmung.
Eine Patientenverfügung kann jederzeit geändert oder widerrufen werden, solange der Mensch entscheidungsfähig ist.
Aus meiner Erfahrung kann ich sagen: Die größte Entlastung für Angehörige entsteht, wenn eine Patientenverfügung klar formuliert und bekannt ist. Sie nimmt Schuldgefühle, reduziert Konflikte und gibt Sicherheit in einer ohnehin extrem belastenden Situation.
📝 Kurz zusammengefasst
- Eine Patientenverfügung legt den eigenen Behandlungswillen fest
- Sie gilt, wenn der Patient selbst nicht mehr entscheiden kann
- Sie hilft Ärzten und Pflegekräften bei Entscheidungen
- Ohne Verfügung muss der mutmaßliche Wille ermittelt werden
- Sie entlastet Angehörige emotional und rechtlich