Paul Rawe – Fachkrankenpfleger

Intensivstation Ratgeber

von Paul Rawe

Fachkrankenpfleger für Intensiv- und Anästhesiepflege
Über 15 Jahre Berufserfahrung

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Träumt man im künstlichen Koma?

Ja. Viele Patientinnen und Patienten berichten nach dem Aufwachen aus einem künstlichen Koma von sehr intensiven Träumen oder Halluzinationen. Diese Erlebnisse fühlen sich oft außergewöhnlich real an und können mitunter auch beängstigend sein.

Der Grund dafür liegt in den verwendeten Sedierungsmedikamenten. Sie unterdrücken das Bewusstsein, schalten das Gehirn jedoch nicht vollständig ab. Teile der Gehirnaktivität bleiben erhalten.

Während der Sedierung verarbeitet das Gehirn weiterhin Reize: Stimmen, Berührungen, Schmerzen, Geräusche oder Musik. Diese Eindrücke werden nicht logisch eingeordnet, sondern zu teilweise bizarren Traumbildern verwoben.

Häufig beschriebene Inhalte sind zum Beispiel: das Gefühl gefangen zu sein, nicht atmen zu können, verfolgt zu werden oder sich an fremden Orten zu befinden.

Es gibt jedoch auch gegenteilige Erfahrungen. Manche Menschen berichten von angenehmen Träumen, etwa von Urlauben, vertrauten Personen oder Kindheitserinnerungen.

Wichtig zu wissen: Diese Traumerlebnisse können nach dem Aufwachen noch Tage oder sogar Wochen nachwirken. Das ist eine bekannte und normale Reaktion. Wenn die Erinnerungen sehr belastend sind, kann ein Gespräch mit einem Psychologen hilfreich sein.

📝 Kurz zusammengefasst

  • Intensive Träume im künstlichen Koma sind häufig
  • Sedierung unterdrückt Bewusstsein, nicht das Gehirn vollständig
  • Reize werden zu Traumbildern verarbeitet
  • Inhalte können beängstigend oder angenehm sein
  • Nachwirkungen sind normal
  • Bei Belastung kann psychologische Hilfe sinnvoll sein
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