Das ist wahrscheinlich die quälendste Frage für Angehörige auf der Intensivstation. Und sie lässt sich leider nicht mit einem konkreten Zeitpunkt beantworten.
Das Aufwachen beginnt erst dann, wenn der Patient medizinisch stabil genug ist. Dazu gehören unter anderem: eine ausreichende Atmung, ein stabiler Kreislauf, keine akuten Infektionen und eine beginnende Erholung der Organfunktionen.
Erst dann beginnen wir, die sedierenden Medikamente schrittweise zu reduzieren. Dabei beobachten wir genau: Öffnet der Patient die Augen? Reagiert er auf Ansprache? Atmet er selbstständig?
Warum geschieht das nicht plötzlich?
Der Körper braucht Zeit, um vom Tiefschlaf wieder ins Wachsein zu finden. Nach Tagen oder Wochen unter Sedierung kann das Nervensystem nicht von einem Moment auf den anderen „umschalten".
Dieses langsame Vorgehen schützt den Patienten und ermöglicht es uns, Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
Was, wenn das Aufwachen länger dauert?
Manchmal dauert es länger als erwartet. Häufige Gründe dafür sind:
- verzögerter Abbau von Medikamenten (z. B. bei Leber- oder Nierenproblemen)
- ausgeprägte körperliche Schwäche
- neurologische Beeinträchtigungen
Wenn der Patient auch nach mehreren Tagen keine ausreichenden Wachreaktionen zeigt, führen wir weitere Untersuchungen durch, zum Beispiel ein EEG oder eine Bildgebung des Gehirns.
Mein persönlicher Rat: Fragen Sie ruhig regelmäßig: „Wie ist der aktuelle Plan?" Zu wissen, dass es einen strukturierten Ablauf gibt, kann entlastend sein – auch wenn kein konkretes Datum genannt werden kann.
📝 Kurz zusammengefasst
- Das Aufwachen beginnt erst bei ausreichender Stabilität
- Die Sedierung wird schrittweise reduziert
- Der Körper benötigt Zeit zur Umstellung
- Verzögerungen sind medizinisch erklärbar
- Bei Bedarf erfolgen weiterführende Untersuchungen