Paul Rawe – Fachkrankenpfleger

Intensivstation Ratgeber

von Paul Rawe

Fachkrankenpfleger für Intensiv- und Anästhesiepflege
Über 17 Jahre Berufserfahrung | Ehemalige Stationsleitung

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Warum reagiert mein Angehöriger nicht auf mich?

Für Angehörige ist es besonders belastend, wenn ein Patient scheinbar nicht reagiert. In der intensivmedizinischen Behandlung gibt es dafür jedoch mehrere mögliche und häufig harmlose Ursachen.

Mögliche Gründe

1. Sedierung

Befindet sich der Patient noch im künstlichen Koma oder unter starker Sedierung, ist eine bewusste Reaktion nicht möglich. Die eingesetzten Medikamente unterdrücken gezielt das Bewusstsein.

2. Verwirrtheitszustand (Delir)

Nach längerer Sedierung oder schwerer Erkrankung sind viele Patienten vorübergehend desorientiert. Sie können Stimmen hören, diese aber nicht einordnen oder darauf reagieren.

3. Ausgeprägte körperliche Schwäche

Auch wenn der Patient Sie wahrnimmt, fehlt ihm häufig die Kraft, die Augen zu öffnen oder gezielt zu antworten.

4. Neurologische Einschränkungen

Nach Schlaganfällen, Schädel-Hirn-Traumata oder anderen neurologischen Erkrankungen kann die Verarbeitung von Reizen beeinträchtigt sein.

5. Überforderung durch Reize

Geräusche, Licht oder viele Besucher können Patienten überfordern. Manche ziehen sich dann unbewusst zurück und reagieren weniger.

Was Angehörigen helfen kann

  • ruhig und klar sprechen
  • sich mit Namen vorstellen
  • eine ruhige Umgebung schaffen
  • Pflegekräfte nach kleinen Veränderungen fragen

In vielen Fällen entwickeln sich Reaktionen schrittweise und nicht von einem Moment auf den anderen. Kleine Veränderungen werden vom Behandlungsteam oft früher wahrgenommen als von Besuchern.

📝 Kurz zusammengefasst

  • fehlende Reaktion hat häufig medizinische Gründe
  • Sedierung, Delir und Schwäche sind sehr häufig
  • auch ohne sichtbare Reaktion kann Wahrnehmung bestehen
  • ruhige Ansprache und Geduld sind sinnvoll
  • Pflegekräfte können Veränderungen gut einschätzen
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