Paul Rawe – Fachkrankenpfleger

Intensivstation Ratgeber

von Paul Rawe

Fachkrankenpfleger für Intensiv- und Anästhesiepflege
Über 17 Jahre Berufserfahrung | Ehemalige Stationsleitung

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Was ist eine Sepsis (Blutvergiftung)?

Eine Sepsis ist eine lebensbedrohliche Fehlreaktion des Körpers auf eine Infektion. Umgangssprachlich wird sie oft als „Blutvergiftung" bezeichnet – tatsächlich ist dabei aber nicht das Blut vergiftet.

Das Problem ist, dass das Immunsystem überreagiert: Die Abwehr läuft so massiv, dass sie dem eigenen Körper schadet und lebenswichtige Organe versagen können.

Wie entsteht eine Sepsis?

Eine Sepsis beginnt fast immer mit einer normalen Infektion. Häufige Ausgangspunkte sind:

  • Lungenentzündung
  • Harnwegs- oder Blasenentzündung
  • Wundinfektionen
  • Bauchinfektionen
  • Infizierte Katheter oder Zugänge

Gelangen Bakterien (seltener Viren oder Pilze) in den Körper, setzt das Immunsystem große Mengen an Entzündungsstoffen frei. Diese breiten sich über den gesamten Körper aus und führen zu Kreislaufversagen und Organschäden.

Welche Symptome treten auf?

  • Hohes oder ungewöhnlich niedriges Fieber
  • Schneller Puls und schnelle Atmung
  • Niedriger Blutdruck
  • Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen
  • Atemnot
  • Verminderte Urinmenge

Wie wird eine Sepsis behandelt?

Eine Sepsis ist immer ein medizinischer Notfall und wird auf der Intensivstation behandelt.

  • Schnelle Gabe von Antibiotika
  • Große Mengen Flüssigkeit
  • Kreislaufunterstützende Medikamente
  • Künstliche Beatmung bei Atemversagen
  • Dialyse bei Nierenversagen

Wie ist die Prognose?

Die Prognose hängt stark davon ab, wie früh die Sepsis erkannt und behandelt wird. Je schneller die Therapie beginnt, desto besser sind die Überlebenschancen.

Trotz moderner Medizin ist eine Sepsis eine der häufigsten Todesursachen auf Intensivstationen – sie ist ernst, aber behandelbar.

📝 Kurz zusammengefasst

  • Sepsis = lebensbedrohliche Überreaktion auf Infektion
  • nicht das Blut ist vergiftet, sondern die Immunreaktion eskaliert
  • führt zu Kreislauf- und Organversagen
  • Behandlung immer intensivmedizinisch
  • frühe Therapie entscheidet über die Prognose
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