Paul Rawe – Fachkrankenpfleger

Intensivstation Ratgeber

von Paul Rawe

Fachkrankenpfleger für Intensiv- und Anästhesiepflege
Über 15 Jahre Berufserfahrung | Ehemalige Stationsleitung

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Wer gibt mir Auskunft über meinen Angehörigen?

Wenn ein Angehöriger auf der Intensivstation liegt, entsteht sehr schnell ein großes Informationsbedürfnis. Gleichzeitig erleben viele Angehörige Unsicherheit: Wen darf ich fragen? Wer darf mir was sagen? Und warum bekomme ich manchmal unterschiedliche Antworten?

Diese Unsicherheit ist vollkommen nachvollziehbar – und hat meist nichts mit fehlender Offenheit zu tun, sondern mit klaren Zuständigkeiten und rechtlichen Vorgaben.

Das ärztliche Team

Die medizinische Hauptauskunft liegt immer beim ärztlichen Team. Ärztinnen und Ärzte sind verantwortlich für Diagnosen, Therapieentscheidungen, Prognosen und den Gesamtverlauf.

Fragen wie „Wie kritisch ist die Situation?", „Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?" oder „Wie geht es voraussichtlich weiter?" gehören daher in ein ärztliches Gespräch.

Das Pflegeteam

Pflegekräfte sind meist die besten Ansprechpartner für den täglichen Verlauf. Sie verbringen viele Stunden direkt am Patientenbett, beobachten Veränderungen und reagieren auf kleinste Abweichungen.

Sie können häufig gut erklären, wie der Patient aktuell wirkt, wie die Nacht verlaufen ist oder ob es im Alltag kleine Veränderungen gibt.

Wichtig zu wissen: Pflegekräfte dürfen keine ärztlichen Diagnosen stellen und keine Prognosen abgeben. Wenn sie bei bestimmten Fragen an das Ärzteteam verweisen, geschieht das aus rechtlichen Gründen – nicht aus Unwillen.

Schweigepflicht und Auskunft

Ein weiterer zentraler Punkt ist die Schweigepflicht. Auskunft darf nur an Personen gegeben werden, die vom Patienten ausdrücklich benannt wurden oder rechtlich dazu befugt sind.

Ohne Vorsorgevollmacht oder ausdrückliche Zustimmung kann es sein, dass selbst enge Angehörige nur eingeschränkt informiert werden. Das ist emotional oft schwer verständlich, dient aber dem Schutz des Patienten.

Bewährter Praxis-Tipp

In vielen Familien bewährt es sich, eine feste Ansprechperson zu benennen. Diese Person führt Gespräche mit dem Team und gibt die Informationen gebündelt weiter.

Das reduziert Missverständnisse, entlastet das Personal und sorgt dafür, dass Informationen möglichst klar und unverfälscht ankommen.

Mein Rat aus der Intensivpraxis: Fragen Sie ruhig nach, wer für welches Thema der richtige Ansprechpartner ist. Und bitten Sie um ein festes Gespräch, wenn Sie merken, dass Fragen offenbleiben. Gute Kommunikation ist keine Störung – sie ist ein wichtiger Teil der Behandlung.

📝 Kurz zusammengefasst

  • Ärzteteam informiert über Diagnosen, Therapie und Prognose
  • Pflegekräfte berichten über den täglichen Verlauf
  • Schweigepflicht kann Auskünfte begrenzen
  • Vollmacht oder Zustimmung erleichtert Kommunikation
  • Ein fester Ansprechpartner in der Familie ist sinnvoll
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