Paul Rawe – Fachkrankenpfleger

Intensivstation Ratgeber

von Paul Rawe

Fachkrankenpfleger für Intensiv- und Anästhesiepflege
17 Jahre Erfahrung | ehemalige Stationsleitung

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Wie gefährlich ist ein künstliches Koma?

Diese Frage beschäftigt viele Angehörige sehr. Die kurze, ehrliche Antwort lautet: Das künstliche Koma selbst ist kein eigenständiges Hochrisikoverfahren. Es handelt sich um eine etablierte intensivmedizinische Maßnahme, die täglich angewendet wird.

Wie bei jeder medizinischen Behandlung gibt es jedoch Risiken – insbesondere bei längerer Dauer.

Mögliche Risiken eines künstlichen Komas

  • Infektionen:
    Je länger ein Patient beatmet wird, desto höher ist das Risiko für eine Lungenentzündung. Durch spezielle Hygienemaßnahmen wird versucht, dieses Risiko möglichst gering zu halten.
  • Muskelschwäche:
    Durch die fehlende Bewegung bauen Muskeln ab. Das ist normal und wird nach dem Aufwachen durch Physiotherapie wieder aufgebaut.
  • Delir (Verwirrtheitszustand):
    Beim Aufwachen kann es zu vorübergehender Verwirrtheit, Angst oder Unruhe kommen.
  • Druckgeschwüre:
    Längeres Liegen kann Druckstellen verursachen. Regelmäßige Lagerung und Hautkontrollen sollen dies verhindern.
  • Kreislaufveränderungen:
    Sedierungsmedikamente können den Blutdruck senken. Das wird eng überwacht und bei Bedarf ausgeglichen.

Kann man im künstlichen Koma sterben?

Ja, das ist möglich. Allerdings nicht durch das künstliche Koma selbst, sondern durch die schwere Grunderkrankung, die diese Maßnahme notwendig gemacht hat.

Bei Erkrankungen wie schwerer Sepsis, Multiorganversagen oder schweren Hirnschädigungen ist das Risiko hoch – unabhängig davon, ob ein Patient sediert ist oder nicht.

Aus meiner langjährigen Erfahrung gilt: Nicht die Sedierung entscheidet über den Ausgang, sondern die Schwere der Erkrankung und die Reaktion des Körpers auf die Behandlung.

📝 Kurz zusammengefasst

  • Künstliches Koma ist eine etablierte intensivmedizinische Maßnahme
  • Risiken bestehen, sind aber überwacht und bekannt
  • Mögliche Folgen: Infektionen, Muskelschwäche, Delir
  • Sterberisiko hängt primär von der Grunderkrankung ab
  • Die Sedierung selbst ist selten der entscheidende Faktor
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