Paul Rawe – Fachkrankenpfleger

Intensivstation Ratgeber

von Paul Rawe

Fachkrankenpfleger für Intensiv- und Anästhesiepflege
Über 15 Jahre Berufserfahrung · ehemalige Stationsleitung

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Wie lange bleibt man normalerweise auf der Intensivstation?

Das ist eine der häufigsten Fragen – und gleichzeitig die schwierigste. Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an.

Manche Patienten können die Intensivstation bereits nach ein bis zwei Tagen verlassen, andere benötigen mehrere Wochen oder sogar Monate. Die Dauer hängt unter anderem ab von: der Grunderkrankung, dem Verlauf der Behandlung, möglichen Komplikationen und bestehenden Vorerkrankungen.

Grobe Erfahrungswerte aus der Praxis

Die folgenden Angaben sind keine festen Zeitvorgaben, sondern grobe Erfahrungswerte aus dem klinischen Alltag:

  • Nach Herzoperationen: häufig 1–3 Tage
  • Nach großen Bauchoperationen: etwa 2–5 Tage
  • Nach schweren Unfällen: oft 5–14 Tage
  • Bei Sepsis (Blutvergiftung): ein bis mehrere Wochen
  • Bei Organversagen: sehr unterschiedlich, oft mehrere Wochen
  • Bei Schädel-Hirn-Trauma: stark variabel

Eine Verlegung von der Intensivstation erfolgt, sobald der Patient ausreichend stabil ist. Dazu gehört in der Regel: keine notwendige Beatmung, ein stabiler Kreislauf, keine akuten Komplikationen und eine ausreichende Organfunktion.

Dauert der Aufenthalt länger, liegt das häufig an Komplikationen wie Infektionen, verzögerter Organerholung oder relevanten Vorerkrankungen. In manchen Fällen braucht der Körper schlicht mehr Zeit.

Wichtig zu wissen

Die Dauer des Aufenthalts sagt für sich allein nichts über die Prognose aus. Ein längerer Aufenthalt bedeutet nicht automatisch, dass sich der Zustand verschlechtert hat.

📝 Kurz zusammengefasst

  • Dauer sehr unterschiedlich: Tage bis Wochen oder Monate
  • Abhängig von Erkrankung, Komplikationen, Vorerkrankungen
  • Verlegung erfolgt bei ausreichender Stabilität
  • Längerer Aufenthalt bedeutet nicht automatisch schlechtere Prognose
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