Wenn ein Elternteil, Großelternteil oder eine andere wichtige Bezugsperson auf der Intensivstation liegt, stehen viele Erwachsene vor einer zusätzlichen Herausforderung: Wie erkläre ich das meinen Kindern?
Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass diese Gespräche vielen mehr Angst machen als das Gespräch mit Ärzten. Dabei gibt es keinen „perfekten" Weg – aber es gibt hilfreiche Grundsätze.
Ehrlich – aber altersgerecht
Kinder spüren sehr genau, wenn etwas nicht stimmt. Ausweichen oder Beschönigen führt oft dazu, dass sie sich eigene, meist schlimmere Erklärungen zusammenreimen.
Ehrlichkeit gibt Sicherheit – angepasst an das Alter des Kindes.
Was hilft bei jüngeren Kindern?
Kleine Kinder brauchen einfache, klare Aussagen: „Opa ist sehr krank und muss in einem besonderen Zimmer im Krankenhaus liegen, damit Ärzte und Pflegekräfte ihm helfen können."
Medizinische Details oder dramatische Beschreibungen sind nicht notwendig. Wichtig ist vor allem die Botschaft: Du bist in Sicherheit.
Und bei älteren Kindern oder Jugendlichen?
Ältere Kinder haben oft ein größeres Informationsbedürfnis. Sie hören Gespräche mit, stellen gezielte Fragen und merken Unsicherheiten schnell.
Hier dürfen Sie mehr erklären – und auch ehrlich sagen, wenn Sie etwas noch nicht wissen. „Das wissen wir im Moment noch nicht" ist eine völlig legitime Antwort.
Gefühle zulassen
Kinder reagieren sehr unterschiedlich: Traurigkeit, Wut, Rückzug oder scheinbare Gleichgültigkeit sind normale Reaktionen auf Angst und Überforderung.
Versuchen Sie nicht, diese Gefühle wegzureden. Sätze wie „Ich sehe, dass dich das traurig macht" helfen oft mehr als „Du brauchst keine Angst zu haben".
Dürfen Kinder die Intensivstation besuchen?
Das hängt vom Alter und vom Kind selbst ab. Wenn ein Besuch möglich ist, bereiten Sie Ihr Kind gut vor: Erklären Sie Geräte, Schläuche und Geräusche im Vorfeld.
Ein vorbereiteter Besuch ist meist weniger beängstigend als Bilder im Kopf.
Alltag gibt Halt
Schule, Freunde, Rituale und gewohnte Abläufe geben Kindern Sicherheit in einer unsicheren Zeit. Ihr Kind darf – und soll – zwischendurch einfach Kind sein.
Mein Rat aus der Praxis: Sie müssen das nicht perfekt machen. Zuhören, ehrlich sein und Nähe zeigen ist oft wichtiger als die „richtigen Worte".
📝 Kurz zusammengefasst
- Ehrlich, aber altersgerecht erklären
- Kleine Kinder brauchen einfache Aussagen
- Ältere Kinder dürfen mehr fragen
- Gefühle zulassen und ernst nehmen
- Alltag und Rituale geben Sicherheit