Leon saß am Küchentisch und malte ein Bild. Es sollte eine Sonne werden, aber irgendwie wurden die Striche immer dunkler. Seit drei Tagen war Opa nicht mehr da. Mama hatte gesagt, Opa sei im Krankenhaus. „Aber warum kann ich ihn nicht besuchen?" hatte Leon gefragt.
Papa setzte sich zu ihm. „Opa liegt in einem ganz besonderen Zimmer", erklärte er ruhig. „Es heißt Intensivstation."
„Warum ist das besonders?" wollte Leon wissen.
Papa zeigte ihm ein Bild auf dem Tablet. „Schau mal, in diesem Zimmer gibt es viele Maschinen und Geräte. Die helfen Opa beim Atmen und passen auf sein Herz auf. Ärzte und Pfleger sind immer da und kümmern sich um ihn."
Leon schaute sich das Bild genau an. Da waren Schläuche, blinkende Lichter und Menschen in blauen Kitteln. „Tut das weh?"
„Opa bekommt Medikamente, damit er sich ausruhen kann und nichts weh tut", sagte Papa. „Sein Körper braucht viel Kraft, um wieder gesund zu werden. Deshalb schläft er ganz viel."
„Kann er mich hören?" fragte Leon leise.
Papa nickte. „Vielleicht. Manche Menschen im Krankenhaus sagen, dass man die Stimmen der Familie hören kann, auch wenn man schläft."
Leon überlegte. Dann holte er ein neues Blatt Papier und malte eine große, helle Sonne. Darunter schrieb er: „Für Opa. Ich hab dich lieb."
Am nächsten Tag durfte Leon mit Papa das Krankenhaus besuchen. Vor dem Zimmer erklärte Papa noch einmal alles: „Es gibt viele Geräusche. Das ist normal. Die Maschinen piepen, weil sie arbeiten. Und Opa hat einen Schlauch im Mund – das hilft ihm beim Atmen."
Leon hielt Papas Hand ganz fest, als sie hineingingen. Opa lag in einem großen Bett, um ihn herum blinkten Bildschirme. Eine freundliche Pflegerin lächelte. „Du hast ein Bild für Opa? Das ist wunderschön!"
Leon stellte sich neben das Bett. Opa sah anders aus – ruhiger, müder. Aber er war noch da. Leon legte das Bild neben ihn. „Hallo Opa", flüsterte er. „Ich hab eine Sonne für dich gemalt."
Die Pflegerin sagte: „Weißt du, Leon, dein Opa hat heute schon ein bisschen geblinzelt. Das ist ein gutes Zeichen."
Leon nickte. Er wusste jetzt: Opa war krank, aber er war nicht allein. Viele Menschen passten auf ihn auf. Und Leon konnte ihm zeigen, dass er an ihn dachte.
Auf dem Weg nach Hause sagte Leon: „Ich mal morgen noch ein Bild."
Papa lächelte. „Das ist eine gute Idee."